Haindling

Hans-Jürgen Buchner alias „Haindling“ ist Prototyp des immer seltener werdenden, kreativen Klangzauberers in einer fad gewordenen Pop-Musiklandschaft und einer der letzten Abenteurer seines Genres. Vor mehr als 20 Jahren stand der Name Haindling einfach nur für den Wallfahrtsort bei Geiselhöring in Niederbayern. Dass der Name Haindling auch eine musikalische Bedeutung bekommen hat, dafür sorgt Hans-Jürgen Buchner, der einen neuen Musikstil geschaffen und weiterentwickelt hat. Er wohnt in Haindling, direkt neben der Kirche im alten Wirtshaus, macht Musik und nennt sie wie die Ortschaft.

Am Beginn der Karriere steht ein Fiasko
Haindling ist ein Klangzauberer. Er spielt Klavier, Klarinette, Synthesizer, Bass, Posaune, Trompete, Tenorhorn, Tuba, Saxophon, Pauke, Percussion und Xylophon. Angefangen hat er mit der Trommel im Wirtshaus seines Onkels, später mit klassischem Klavierunterricht. Zusammen mit seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Ulrike Böglmüller bestreitet er seinen ersten spontanen Auftritt 1980 in Viechtach. Sie spielen Synthesizer und Schlagzeug live, der Rest ist Playback. Dieses „totale Fiasko“ war angeblich der Beginn der heutigen Haindling-Musik, ein Stil, den Buchner selbst am ehesten als „volksmusikalische Avantgarde“ bezeichnen würde.

Musikalische Drahtseilakte
Über einige Zwischenstationen wird eine Plattenfirma auf Buchner aufmerksam und 1982 wird das Debüt-Album „Haindling 1“ veröffentlicht. Diese Scheibe stößt überall auf begeisterte Resonanz und wird mit dem „Deutschen Schallplattenpreis“ ausgezeichnet. „Ich wollte mich nie anbiedern mit meiner Arbeit“, konstatiert Buchner. „Ich habe stets nur das gemacht, was ich vor mir selbst vertreten kann. Das ist alles!“ Das Fachblatt Musikmagazin gibt ihm Recht und bezeichnet ihn als „Komponist musikalischer Drahtseilakte über dem Abgrund der Stile und Trends, die er mit weltfremder Selbstverständlichkeit bewältigt“. Von nun ist sein Erfolg nicht mehr zu stoppen: Haindling nimmt acht CDs auf, ist mit seiner Band auf Tour, tritt im Fernsehen auf, schreibt Filmmusiken und hat immer wieder neue Ideen.

Multi-Kulti-Gesellschaft der Instrumente
Auf seinen zahlreichen Reisen in viele Winkel dieser Erde entdeckt Buchner immer wieder ihm fremde Instrumente. Aktuelle Errungenschaft des außergewöhnlichen Klangerfinders – ein komplettes balinesisches Gamelan-Orchester. Kein Wunder, dass asiatische Klänge auf dem aktuellen Album „Karussell“ einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen. „Bei mir zu Hause in Haindling“, fügt Buchner fröhlich hinzu, „gibt es eine Multi-Kulti-Gesellschaft der Instrumente, die ständig erweitert wird.“

9.11., 20:35-22:00; Große Bühne, Deutschland-Promenade

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