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Ein Gespräch mit Professor Dr. Joachim Rogall, für China zuständiger Bereichsleiter der Robert Bosch Stiftung, am 7. November auf der Deutschland-Promenade in Guangzhou
Herr Rogall, warum engagiert sich die Robert Bosch Stiftung bei „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“? Das Motto könnte eigentlich von uns erfunden worden sein, denn wir achten in der Förderung immer auf die Gegenseitigkeit, also nicht nur Förderung von Deutsch in China, sondern gleichzeitig auch Chinesisch in Deutschland. Die Veranstaltungsreihe ist für uns eine Möglichkeit, in wichtigen chinesischen Regionen präsent zu sein und einen Eindruck von den örtlichen Möglichkeiten und Partnern zu bekommen, denn unser China-Engagement ist ein junger Schwerpunkt, der erst seit 2 Jahren besteht.
Gibt es einen besonderen Grund, warum speziell die Homepage der Veranstaltungsreihe von Ihnen gefördert wird? Zum einen ein Eigeninteresse, weil wir dort, wo wir neu sind, erstmal eine Art Marktübersicht brauchen. Was wird denn schon gemacht, was machen andere? Diese Kenntnis erhalten wir durch die genannte Internetseite. Zweitens ist es ein Prinzip der Bosch-Stiftung, die in ihren Förderländern nicht durch eigene Repräsentanzen vertreten ist, mit wichtigen Partnern zusammen zu arbeiten. Gerade im Kulturbereich ist das Goethe-Institut der geborene Partner, mit dem wir in anderen Ländern schon seit Jahrzehnten erfolgreich arbeiten. Dass wir mithelfen konnten, dieses Kulturportal auf den Weg zu bringen, war für uns eine ausgezeichnete Möglichkeit, unser China-Engagement zu beginnen.
Wie weit passt Deutschland-und-china.com in das Gesamtengagement der Robert Bosch Stiftung in China? Wunderbar, denn es ist ein zweisprachiges deutsch-chinesisches Kulturportal und liegt damit genau in der Philosophie der Stiftung. Für uns darüber hinaus eine weitere sehr gute Möglichkeit, eine Übersicht zu bekommen, wo wir mit unseren Initiativen stehen, wie die Situation im jeweiligen Land oder im jeweiligen Fördergebiet ist. Die Firma Robert Bosch kann im übrigen nächstes Jahr bereits hundert Jahre Bosch in China feiern. Bosch war schon vor dem Ersten Weltkrieg ein globaler Akteur.
Warum legt die Robert Bosch Stiftung so viel Wert auf Bilateralität? Das hat mit Respekt vor dem Partner zu tun, und geht, wie fast alles bei uns, auf den Stifter Robert Bosch zurück. Er hat immer das Prinzip vertreten, daß ein Geschäft für beide Seiten einen Nutzen bringen sollte. Das gilt auch für die Stiftungsaktivitäten. Robert Bosch hat sein Unternehmen groß gemacht durch ein Prinzip, das wir als Stiftung in der Förderung übernommen haben. Bosch hat hervorragende Leute in sein Unternehmen geholt, hat ihnen die Lizenz zum Kreativsein gegeben, und durch die Gemeinschaftsleistung seiner Mitarbeiter das Unternehmen groß gemacht. In der Völkerverständigung, die auf Robert Boschs Engagement in der deutsch-französischen Aussöhnung zurückgeht, arbeiten wir ähnlich: Wir wollen kein fertiges Bild von China an Deutsche vermitteln oder umgekehrt Chinesen mit einem Hochglanz-Deutschlandbild versorgen. Wir geben jungen Leuten die Möglichkeit, in ein anderes Land zu gehen und dort eigene Erfahrungen zu machen, möglichst in der direkten Zusammenarbeit mit einem Partner aus dem anderen Land. Diese Förderung hat einen doppelten Effekt: zum einen fördern wir bei jungen Deutschen die Kenntnis Chinas, bei jungen Chinesen die Kenntnis Deutschlands und wenn sie wieder in ihre Heimat zurückkehren, fungieren sie als Botschafter des anderen Landes und fördern die Kenntnis unter ihren Landsleuten. Auf diese Weise fördern wir etwas sehr Chinesisches: ein Beziehungsnetz. Wir glauben, dass Völkerverständigung nur dann von einer Stiftung mit begrenztem Etat und begrenzten Mitteln gefördert werden kann, wenn es gelingt, sie auf ein stabiles menschliches Fundament zu setzen und Multiplikatoren für unsere Ideen zu gewinnen. Letztlich geht es um Respekt, Information, Interesse und Zusammenarbeit. Das sind die Hauptbereiche, wo wir in China meines Erachtens etwas erreichen können, was andre bisher noch nicht gemacht haben.
Was macht die Bosch-Stiftung anders als andere Stiftungen? Wir sind als Stiftung völlig unabhängig und sehr flexibel. Wir sind deshalb keine Konkurrenz für öffentlich geförderte Partner, sondern eine sinnvolle Ergänzung des Orchesters der auswärtigen Kulturpolitik. Mit einer Anschubfinanzierung der Bosch Stiftung können häufig öffentliche oder private Drittmittel eingeworben werden. Wir müssen nicht mit Haushaltsjahren oder Vorgaben politischer oder wirtschaftlicher Art umgehen. Wir arbeiten ohne eigene Agenda, wenn man einmal von der Versöhnung zwischen den Nationen als Agenda absieht.
Sie agieren quasi als eine Vorstufe zu einer weiteren Finanzierung, die dann aus der öffentlichen Hand kommt? Als Anschubfinanzierung oder Anstiftung, aber nicht als längerfristige Förderung. Wir fördern nämlich nicht auf Dauer, in der Regel auch keine Institutionen, sondern Personen. Durch diese Personenförderung wirken wir aber wiederum dauerhaft, denn wir haben festgestellt, wenn wir jemanden mit dem Gedanken der Völkerverständigung angesteckt haben, dann wirkt er auch ohne unsere Förderung weiter.
Nennen Sie uns bitte ein paar Beispiele, wo das, was Sie gerade allgemein gesagt haben, konkret Anwendung findet. Zum einen im Medienbereich, mit dem Medienbotschafterprogramm, wo wir junge chinesische Journalisten in deutsche Redaktionen bringen und im nächsten Jahr dann auch deutsche Journalisten nach China bringen wollen. Indem wir junge Lektoren aus Deutschland als Sprach- und Kulturmittler an chinesische Hochschulen entsenden und das eben nicht in den großen Metropolen, sondern in die Regionen. Derzeit sind schon vier solcher Lektoren im Einsatz. Wir haben auch angehende Lehrer im Blick, die in China ein Schulpraktikum machen und anschließend hoffentlich eine Schulpartnerschaft in ihrer späteren Schule anregen. Wir überlegen, den Austausch junger Juristen mit Deutschland zu fördern. Die Erfahrung zeigt, daß diese jungen Stipendiaten als Alumni dauerhaft an der Verständigung zwischen unseren Völkern arbeiten werden. Wir sind gerade jetzt am Ende einer einwöchigen Recherchereise, die uns sehr viele Ideen und mögliche Partner gezeigt hat und sind in der Lage, in den nächsten Jahren unser Engagement in China noch zu verstärken.
Was für ein Resümee ziehen Sie aus den ersten beiden Jahre des Chinaengagements der Robert Bosch Stiftung? Der Einstig war aus unserer Sicht ganz erfolgreich. Wir haben hier bereits gute Partner gefunden und sind zuversichtlich, dass wir gerade die Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ nutzen können, um in den nächsten anderthalb Jahren bis zur Expo in Shanghai gezielt stärker noch in die Regionen zu gehen. Ich glaube, das, was eine Stiftung in zwei Jahren machen kann, das haben wir gemacht.
Herr Rogall, herzlichen Dank für das Gespräch.
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