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„Wir präsentieren kein perfektes Deutschlandbild.“ 
Datum: 26.Jun. 2009    
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Schlagworte: Station Shenyang    Interview    Michael Kahn-Ackermann    Nation Branding    
 

Sie treten also als Diktator auf?
Damals konnten sie das nicht mehr verhindern. Aber nun finden sie die Idee gut: eine Kombination von traditionellem Baustoff und High-Tech. Es vermittelt kein Gefühl von „Ich bin der Beste, Größte“ und so weiter. Im heutigen China müssen die Dinge immer groß, laut und lautstark sein. Wir arbeiten hingegen bewusst eine Spur bescheidener. Beim VIP-Rundgang der ersten Station Nanjing fragte mich der dortige Bürgermeister ob der Bambus aus Deutschland sei. Ich antwortete: Das Material stammte aus der Provinz Anhui.

Wie ist das Deutschlandbild der Chinesen?
Deutsche sind gewissenhaft und zuverlässig, aber langweilig. Deutschland hat gute Ingenieure, Philosophen, Denker, aber es macht keinen Spass. Dieses Image wollen wir ändern und zeigen, dass auch Deutschland Spaß machen kann. Natürlich wollen wir uns nicht so romantisch darstellen wie die Franzosen oder Italiener. Wir sind fein, zuverlässig und ehrlich, und als neue Ergänzung eben, dass wir auch Spass verstehen.

Deutschland litt nach dem 2. Weltkrieg unter einem schlechten Image, insbesondere in Europa. Man dachte oft an ein Nazi-Deutschland. Aber laut einer letztjährigen BBC-Umfrage genießen die Deutschen auf der Welt einen sehr guten Ruf.
Für mich war das Ergebnis der BBC auch erstaunlich. Vor 20 oder 30 Jahren hätte eine Umfrage kein so positives Ergebnis erzielt. Besonders in Europa. Viele haben Deutschland nicht gemocht. Die Erinnerung an die Nazi-Zeit saß tief. In solcher Situation macht es keinen Sinn zu propagieren, „wir sind kein Hitler-Deutschland, sondern das Deutschland von Goethe“. Du musst mit Tatsachen und vielseitigen Präsentationen aufzeigen, welche Probleme die deutsche Gesellschaft hat, welche Probleme noch gelöst werden müssen. Was macht uns Sorgen, worüber denken wir nach? Erst, wenn wir das alles offen zeigen, gewinnen wir das Vertrauen anderer.  Seit seiner Gründung hat das Goethe-Institut Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung. Dort meint man, das Goethe-Institut präsentiere ein unperfektes Deutschland-Bild.

„Kultur dient nicht der Politik“

Aber eine wichtige Schlussfolgerung aus der Nazi-Zeit ist, Kultur dient nicht der Politik. Wir arbeiten zwar mit öffentlichen Mitteln, bleiben allerdings unabhängig. Wir haben Verträge mit der Regierung. Man gibt uns Geld, darf sich jedoch nicht in unsere Aktivitäten einmischen. Das Auswärtige Amt hat sein eigenes Ziel. Dort erwarten sie von uns, dass wir ein perfektes Deutschland-Bild verkaufen oder sogar als Dekor für politische Aktivitäten herhalten. Diese Wünsche kann ich verstehen. Aber wenn wir tatsächlich so handeln, werden wir draußen als Propaganda-Instrument angesehen. Unsere Tätigkeiten haben dann auch keinen Sinn mehr.
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